Schacholympiade 2008 in Dresden

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Portrait WGM Elisabth Pähtz

/images/uploads/82fd2ab8e805edcf55b684ddb26b50fa.jpgvon Frank Hoppe

Elisabeth Pähtz wurde am 8. Januar 1985 in Erfurt in eine schachlich vorbelastete Familie geboren. Ihr Vater Thomas brachte es bis zum Großmeister, ihr zwei Jahre älterer Bruder Thomas bis zu einer DWZ von über 2300. Wolfgang, der in Jena lebende Bruder ihres Vaters, bringt es auf etwa 1950 DWZ-Punkte.

Ihr Vater, der der letzte DDR-Meister war, bekam nach der politischen Wende 1989 einen Job in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Als nunmehr Schachtrainer nahm er Klein-Elisabeth zu Wettkämpfen seiner Trainingsgruppe als "Maskottchen" mit. Dabei schnappte sie bereits einige Schachregeln auf, die sie im Alter von 5 Jahren ihrem Vater stolz präsentierte. Thomas Pähtz nahm sie in seine Trainigsgruppe auf und investierte viel Zeit und Geld in die schachliche Entwicklung seiner Tochter.
Bald zeigte sich, das Elisabeth talentierter als ihr spielstarker Bruder ist. Mit 9 Jahren gewann sie 1994 ihre erste Deutsche Meisterschaft - die der Elfjährigen. 1995 war sie in der Altersklasse U10 Vize-Europameisterin und Vize-Weltmeisterin. Das brachte ihr den endgültigen Kick sich in das Schachtraining reinzuknien.
Als sie 13 wurde, hatte sie ihren Bruder an Spielstärke (DWZ 2200) überflügelt

 

/images/uploads/6c32d8c64ce71249b177ba5b111ba252.jpg1999 nahm sie zum zweiten Mal nach 1997 an einer Deutschen Einzelmeisterschaft der Frauen teil und siegte überlegen mit 8 aus 9. Dieser Erfolg mit gerade einmal 14 Jahren machte sie auch im nichtschachspielenden Deutschland bekannt. Sie wurde von Talkshow zu Talkshow weitergereicht. Harald Schmidt lud sie in seine Fernsehsendung ein, wo sie blind gegen den Showmaster spielte. Der bekannte Komödiant Hape Kerkeling machte mit ihr im gleichen Jahr einen Sketch mit versteckter Kamera für die Fernsehsendung "Darüber lacht die Welt". Dabei gab er sich in einem bayerischen Schachklub als iranischer Großmeister aus, spielte an mehreren Brettern simultan und ließ sich über einen "Knopf im Ohr" von Elisabeth anleiten.

 

Deutsche Jugend-Einzelmeisterschaft

/images/uploads/96e8732d1f4256503d95ff9abbb19a67.jpgBis auf 1997 nahm Elisabeth an allen Deutschen Jugendmeisterschaften von 1992 bis 1999 teil. 1997 wurde sie Vizemeisterin der deutschen Damen, 1999 gewann sie die deutsche Damenmeisterschaft.

1992 U11 4 aus 7
1993 U11 3. Platz bei den Mädchen mit 5½ aus 9
1993 U17w 16. Platz mit 4 aus 7
1994 U11 1. Platz bei den Mädchen mit 7½ aus 11
1995 U13 14. Platz, 2. Platz bei den Mädchen mit 7 aus 11
1996 U11 2. Platz, 1. Platz bei den Mädchen mit 9 aus 11
1998 U20 3½ aus 9
1999 U18 5. Platz mit 5½ aus 9
1993 meldeten die Eltern Elisabeth und Thomas junior beim SV Empor Erfurt an. Hier spielte sie bis 1998 um anschließend für ein Jahr zum Dresdner SC 1898 zu wechseln. Danach ging sie wieder zu Empor zurück und wechselte 2000 zum Erfurter Schachklub. Ihr Bruder blieb noch bis 2002 dem SV Empor treu.
1998 hatte sie für einige Monate eine Damengastspielgenehmigung für OTG 1902 Gera.

Aktuell spielt Elisabeth für USV TU Dresden in der Damenbundesliga und für den SC Kreuzberg in der Herrenbundesliga.

Elisabeth trainierte in den ersten Jahren vorrangig mit ihrem Vater, später auch mit Leonid Rohovoi, einem überdurchschnittlich gutem Vereinsspieler aus Nordrhein-Westfalen. Darüberhinaus wurde sie vom sächsischen Landestrainer David Lobzhanidze betreut.

 

Erfolge

/images/uploads/a81959c02264c9d66f642cf966f0352a.jpgSeit 2001 trägt Elisabeth den Großmeistertitel der Frauen. Die Normen für den Frauen-Großmeistertitel erreichte sie in Budapest 1999, bei der Olympiade in Istanbul 2000, 2001 in der Damenbundesliga und die vierte Norm ebenfalls 2001 bei der Europameisterschaft in Warschau.
2004 kam der Titel Internationaler Meister hinzu. Einige dafür nötige Normen erreichte sie 2002 in Dresden und Bled.

2002 war sie Jugendweltmeisterin U18 und 2005 Juniorenweltmeisterin U20.

Ihr großes Ziel ist ein Platz in der Top-10 der Frauen des Weltschachs, wo sie die Möglichkeit vermutet, professionell Schach spielen zu können. Derzeit kommt sie in einem guten Jahr auf 15.000 Euro an Preisgeldern.
In der Frauen-Weltrangliste stagniert sie um Platz 20. Vor über einem Jahr war sie nach einem enttäuschenden 32. Platz bei der Frauen-Europameisterschaft in Dresden in ein tiefes Loch gefallen und hatte überhaupt "keinen Bock auf Schach" mehr.

 

Beruf und Privates

/images/uploads/770ddb0cb9ad7debd9b8d1391b14d92e.jpgElisabeth besuchte bis 2004 das Sportgymnasium in Dresden (bot damals als einzige Sportschule Deutschlands das Fach "Schach" an), machte im April 2005 ihr Abitur und ging im Januar 2006 zur Bundeswehr, wo sie erst eine zweimonatige Grundausbildung absolvierte und anschließend zur Sportfördergruppe der Bundeswehr in Frankenberg (Sachsen) versetzt wurde. Das Schachtraining findet in Halle/Saale statt.
Bis April 2009 ist sie noch Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr.
Nach dem Wehrdienst, so im November 2006 in einem Interview für das ND, möchte sie in Berlin studieren und Grundschullehrerin werden.

Elisabeth gibt als Interessen neben Schach Fremdsprachen, Reisen und Singen an, wobei sie zur Zeit sogar Gesangsunterricht nimmt.
In nicht ferner Zukunft möchte sie eine Familie gründen. Der richtige Partner dafür scheint aber noch nicht gefunden. Sie war schon mit verschiedenen ausländischen Schachmeistern wie z.B. dem Norweger Leif Ehrlend Johannessen oder dem Georgier Merab Gagunaschwili befreundet

 

Interview mit WGM Elisabeth Pähtz

Am Di, den 12. April 2005 hatte ich als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Deutschen Schachbunds die Gelegenheit , im Sportgymnasium in Dresden ein Interview mit Elisabeth Pähtz zu führen.

Zunächst einmal ganz herzlichen Dank für Ihre spontane Zusage am Telefon zu diesem Interview, obwohl Sie mitten im Abiturstress sind! Und da wir schon beim Thema sind: wie stehen die Aktien im Augenblick, welche Prüfungen haben Sie schon und was haben Sie noch vor sich ?

Also bis jetzt habe ich nur die Schachprüfung abgelegt, und das war die einfachste von allen. Ich habe 15 Punkte erhalten. Die nächste Prüfung ist die Volleyballprüfung am 27.April. Das wird nicht so ganz einfach werden, aber irgendwie wird es auch gehen.

Ich höre mit Erstaunen, dass ja hier Leistungskurs Schach möglich ist.
Gibt es denn auch Schüler, die ‚normale’ Leistungskursfächer wählen wie Englisch, Mathematik oder sonstige ?


Da wir ein Sportgymnasium sind, ist nun mal Sport der Leistungskurs. Und dieser setzt sich zusammen aus einer Einzelsportart, einer Mannschaftssportart und dem Fach Sporttheorie. Entsprechend setzt sich auch die Note zusammen, und zwar zu 50% aus Sporttheorie, wo man über Sachen wie Schnelligkeit und Ausdauer spricht, zu 30 % aus der Spezialsportart,- bei mir ist das eben Schach -und zu 20% aus einer Mannschaftssportart, bei mir Volleyball.

Leute, die mit Schach nichts am Hut haben, sagen oft : Schach ist überhaupt kein richtiger Sport. Die sitzen nur an Brettern, dösen vor sich hin und machen ab und zu einen Zug. Ist das hier auch so im Sportgymnasium, dass Schach neben Fußball oder Tennis, wo man wirklich rennt und Bälle übers Netz schlägt, als gleichwertig empfunden wird ?

Ich hab an unserer Schule noch nicht mitbekommen, dass sich irgend jemand abfällig über Schach geäußert hat, wobei ich auch sagen muss, dass Schach eine der erfolgreichsten Sportarten an unserem Sportgymnasium ist. Wir haben sehr viele Medaillen von nationalem und internationalem Niveau erringen können. Auch ist Schach sehr sportlich, denn die Kilos purzeln, wenn wir intensiv Schach spielen. Beim Schachspielen ist man teilweise einer enormen Stresssituation ausgesetzt, bei der man unheimlich viel Energie verbraucht.

 

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Interview mit WGM Elisabeth Pähtz (2)

Was machen Sie denn nach dem Abitur ? Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass Sie zwei Jahre lang professionell in Sachen Schach tätig werden wollen. Ist das immer noch aktuell oder haben Sie Ihre Pläne schon revidiert ?

Mehr oder weniger aktuell. Ich weiß es nicht. Nach dem Abitur geht es erst einmal zur EM. Darüber hinaus stehen weitere internationale Turniere bereits fest bzw. befinden sich in Planung. Einige Zeit werde ich mich auch in Russland aufhalten, um mein Russisch zu vervollkommnen und vielleicht auch ein bisschen Schach zu spielen.

Bei Internationalen Schachturnieren ist man ja sehr gefordert. Wieweit ist es für Sie von Bedeutung ,von Ihrer Familie unterstützt zu werden ?

Meine Eltern unterstützen mich sehr und das ist für mich auch wichtig. Da mein Vater selbst Schach spielt, hat er mich oft bei wichtigen Turnieren begleitet . Aus schachlicher Sicht war es gut für mich, emotional gesehen jedoch war mein Vater zu sehr involviert und hat darunter gelitten. Er war aufgeregter als ich selbst, was letztendlich auch für mich oft anstrengend und belastend war. Einmal hat mich auch ein Freund begleitet. Aber das war ebenso schlimm. Am besten ist, es fährt ein Trainer mit, dem man nicht so nahe steht, mit welchem man aber sehr gut auskommt. Das ist wahrscheinlich das Beste.

Ist es denn theoretisch möglich oder überhaupt vorstellbar, dass man mit Liebeskummer Schach spielen kann ?

Oh ja, das kann man. Und aus meinen eigenen Erfahrungen heraus hab ich dabei so richtig gut gespielt. Aber ich kann nicht erklären warum.

Jetzt hätte ich Sie gern gefragt, woran das liegt, aber dann suchen wir eher nicht nach Lösungsmöglichkeiten.

Vielleicht ist man innerlich so wütend, dass man seine Aggressionen auf dem Schachbrett auslebt. Wenn ich zurückblicke, habe ich in emotionalen Stresssituationen bisher immer relativ stark gespielt.

Nun ist ja 2008 die Schacholympiade. Gibt es da für Sie eine spezielle Phase der Vorbereitung, haben Sie da ein spezielles Training oder konzentrieren Sie sich mehr auf die nächsten Turniere ?

Ach, 2008 , das ist erst in 3 Jahren, darüber denk ich jetzt noch nicht nach. Speziell würde ich mich auf solche Turniere nie vorbereiten. Bis auf ein paar Eröffnungszüge studieren wird da nicht viel passieren, denke ich.

Es gibt 10 Jugendliche hier, die in einer Jugendmannschaft für Olympia dafür trainiert werden. Haben Sie zu denen speziellen Kontakt?

Ich kenne einige von ihnen, aber richtigen Kontakt hab ich nur zu Klein – Elena, da sie hier an der Schule herumspringt.

 

Interview mit WGM Elisabeth Pähtz (3)

Ist es überhaupt möglich, innerhalb der Schachwelt Freundschaften aufzubauen ?

Auf jeden Fall. Ich hab viele Freundinnen, nicht nur in Deutschland. Eine sehr gute Freundin, mit der ich jetzt auch einen Monat im August bzw. September nach Russland fahren werde, wohnt in der Schweiz. Auch in England und Frankreich habe ich Freundinnen.

Wenn Ihre Freunde Sie hier in Dresden besuchen, was machen Sie dann ? Wo trifft man sich in Dresden ?

Wenn sie mich besuchen, dann schlafen sie meistens, wenn ich in der Schule bin. Schachspieler sind Langschläfer und Nachtmenschen. Es gibt hier einige Bars, z.B. so eine Cocktailbar am Neustädter Bahnhof und da gibt es jeden Tag einen speziellen Tag. Am Montag ist das Essen billiger, am Dienstag gibt’s die Cocktails zum halben Preis ,am Mittwoch eine Karaoke Party, am Donnerstag eine Messenger mns-Party und am Freitag gibt’s eine briefchen-schreib-Party. Wir haben auch sonst Discos hier, das PM oder das Flower Power, wo man Oldies hören kann.

Wenn ich diese vielen Angebote höre, dann kann ich mir vorstellen, dass es Ihnen als Erfurterin trotzdem leicht gefallen ist ,hier nach Dresden zu wechseln. Oder war Schach eigentlich der ausschlaggebende Grund und die Zugehörigkeit zum Sportgymnasium ?

Der ausschlaggebende Grund war tatsächlich Schach. Anfangs erhielt ich am Sportgymnasium umfangreiches Einzeltraining. Später wurde der Einzelunterricht stark reduziert, was ich sehr bedauert habe. Dresden ist eine sehr schöne Stadt. Trotzdem freue ich mich darauf, bald wieder zu Hause in Erfurt zu sein.

Wie sieht das in Ihrer Freizeit aus ? Haben Sie ständig das Schachbrett im Koffer oder geben Sie sich einmal eine Auszeit unter Palmen?

Also im Urlaub nehme ich prinzipiell kein Schachbrett mit. Das wäre ein Wunder !

Auch keinen Schachcomputer ?

Doch, mitunter schon. Wenn ich gerade auf der Durchreise bin, also von Turnieren aus weiterfliege. Dann ist das aber nicht Absicht, sondern hat sich zwangsläufig so ergeben.

Elisabeth, herzlichen Dank für das Gespräch !

Leni Natrath